Der selbsternannte brasilianische Parapsychologe Athos Salomé, den einige Medien als den „lebenden Nostradamus“ bezeichnen, steht erneut im Mittelpunkt des Interesses. Der Grund ist eine Reihe düsterer Prognosen für das Jahr 2026, die den Nahen Osten, die Arktis, die Sahelzone, künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und Sonnenstürme betreffen.
Während ein Teil der Öffentlichkeit seine Aussagen als interessante Warnungen betrachtet und ein anderer Teil sie als sensationelle Spekulationen bezeichnet, steht fest, dass sich Salomés Behauptungen erneut in den Medien verbreitet haben – gerade weil sie Themen aufgreifen, die die internationale Politik und Sicherheit seit Monaten und Jahren beschäftigen. Salomé liefert dabei keine bestätigten Analysen, sondern persönliche Prognosen, die nach allem, was derzeit bekannt ist, mit Vorsicht betrachtet werden sollten.

Seine jüngsten Aussagen werden hauptsächlich über öffentliche Auftritte und Medieninterviews verbreitet. Es ist daher zwar klar, was er gesagt hat, nicht jedoch, dass seine Methoden einen wissenschaftlich nachgewiesenen Wert besitzen. Genau dieser Unterschied zwischen einer medial attraktiven Behauptung und tatsächlicher Vorhersagefähigkeit bleibt entscheidend, wenn es um einen Mann geht, der bereits zuvor durch angebliche Treffer Bekanntheit erlangte, die seine Anhänger mit der COVID-19-Pandemie und einigen anderen großen Ereignissen in Verbindung bringen.
Dieses Mal hat Salomé eine Reihe von Warnungen ausgesprochen, die geopolitische Konflikte, technologische Bedrohungen und Naturphänomene betreffen. Wie auch in den entsprechenden Berichten betont wird, handelt es sich bei seinen Prognosen jedoch weder um Erkenntnisse von Geheimdiensten noch um Schlussfolgerungen wissenschaftlicher Einrichtungen oder internationaler Organisationen, sondern um persönliche Interpretationen möglicher zukünftiger Ereignisse.
Der Nahe Osten als erster Krisenherd
Eine seiner am häufigsten verbreiteten Aussagen betrifft den Iran und den gesamten Nahen Osten. Salomé spricht von einer möglichen ernsthaften Verschärfung der Lage aufgrund der Fortschritte des iranischen Atomprogramms sowie der politischen und militärischen Spannungen zwischen Teheran und Israel. Seiner Interpretation zufolge könnte gerade diese Verbindung aus langjährigen Spannungen und den empfindlichen regionalen Beziehungen den Weg für eine neue Phase der Instabilität ebnen.
Solche Aussagen ziehen Aufmerksamkeit auf sich, weil sie Themen aufgreifen, die seit Langem eine zentrale Rolle in der globalen Politik spielen. Die Beziehungen zwischen Iran und Israel sind seit Jahren von Misstrauen, gegenseitigen Anschuldigungen und wiederkehrenden Eskalationen geprägt. Daher stellt allein die Ankündigung einer möglichen weiteren Eskalation keinen Beweis für eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Vorhersage dar. Mit anderen Worten: Es handelt sich um eine Region, in der es auch ohne prophetische Ambitionen genügend bekannte Gründe zur Sorge gibt.
Die Berichte über diese Aussagen geben überwiegend wieder, was Salomé gesagt hat, liefern jedoch keine unabhängige Bestätigung dafür, dass genau das eintreten wird, was er prognostiziert. Deshalb ist es wichtig, zwischen der Dokumentation einer Aussage und dem Beweis ihrer Richtigkeit zu unterscheiden. Nur weil jemand vor einer Gefahr warnt, bedeutet das nicht, dass er über eine zuverlässige Methode verfügt, mit der er Zeitpunkt und Form einer zukünftigen Krise präzise bestimmen kann.
Wichtige Informationen
Salomé warnte vor einer möglichen Verschärfung der Situation im Iran und im Nahen Osten. Solche Spannungen gehören jedoch bereits seit Langem zum bestehenden regionalen Kontext. Seine Aussagen werden von Medien aufgegriffen, während eine unabhängige Bestätigung seiner Prognosen nicht vorliegt.
Aus diesem Grund betrachten einige Analysten und Leser seine Aussagen eher als Spiegel bereits bestehender geopolitischer Ängste denn als tatsächliche Prophezeiung. Wenn über Iran, Israel und das Atomprogramm in einem dringlichen Ton gesprochen wird, kann leicht der Eindruck entstehen, jemand habe die Zukunft „vorhergesagt“, obwohl diese Risiken bereits lange vor seinen Medienauftritten bestanden.
Die Arktis und der neue Wettbewerb der Großmächte
Als zweites Gebiet hebt Salomé die Arktis hervor – eine Region, die in internationalen Debatten zunehmend an Bedeutung gewinnt, unter anderem wegen des schmelzenden Eises, neuer Schifffahrtsrouten und des Interesses an Energieressourcen. Seinen Aussagen zufolge könnten genau diese Faktoren die strategische Rivalität zwischen Russland und den NATO-Mitgliedstaaten weiter verschärfen. In einigen seiner Äußerungen geht er sogar noch weiter und spricht über russische Raketensysteme sowie die Möglichkeit einer direkteren militärischen Konfrontation.
Die Arktis ist längst weit mehr als eine abgelegene eisige Randregion. Da der Klimawandel zuvor unzugängliche Gebiete zunehmend erschließt, wächst das Interesse der Staaten an Schifffahrtswegen, natürlichen Ressourcen und militärischer Präsenz. Das bedeutet, dass die Region auch ohne Salomés Vorhersagen ein Gebiet ist, in dem wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen aufeinandertreffen. Jeder zusätzliche Hinweis auf einen möglichen Konflikt lässt sich daher leicht in den bereits bestehenden Rahmen der Besorgnis einordnen.
Aus der Tatsache, dass die Arktis strategisch wichtig ist, folgt jedoch nicht automatisch, dass es zu einer konkreten Krise in der von Salomé beschriebenen Form kommen wird. Seine Aussagen bleiben Interpretationen möglicher Entwicklungen. Genau in diesem Unterschied zwischen der tatsächlichen geopolitischen Bedeutung einer Region und der Behauptung eines zukünftigen Konflikts liegt einer der größten Unterschiede zwischen seriöser Analyse und einem prophetischen Narrativ.
Das größere Bild
Die Arktis ist aufgrund des schmelzenden Eises, neuer Routen und des Interesses an Energieressourcen bereits Gegenstand realer geopolitischer Analysen. Salomé interpretiert diese bestehenden Entwicklungen als mögliche militärische Eskalation, doch es gibt keine unabhängige Bestätigung dafür, dass sich ein solches Szenario tatsächlich anbahnt.
Bei der medialen Weitergabe solcher Aussagen geht der Unterschied zwischen einer Möglichkeit und einer Wahrscheinlichkeit häufig verloren. Dass eine Region ein Konfliktpotenzial besitzt, ist unbestritten. Die Behauptung, dass sich dort ein ganz bestimmtes militärisches Szenario ereignen wird, bleibt jedoch ungeprüft. Genau auf dieser schmalen Grenze bewegt sich Salomé in der Öffentlichkeit: Er spricht über reale Spannungen, verbindet sie jedoch mit persönlichen Vorhersagen ohne wissenschaftliche Bestätigung.
Sahelzone, Technologie und die Grenze zwischen Risiko und Prophezeiung
Das dritte Krisengebiet, das Salomé nennt, liegt in Afrika, insbesondere im Niger und in der gesamten Sahelzone. Seiner Einschätzung zufolge könnten der Rückgang der Präsenz westlicher Streitkräfte, die Aktivitäten extremistischer Organisationen und die Rivalität verschiedener internationaler Akteure die Region weiter destabilisieren. Im Gegensatz zu den dramatischeren Formulierungen, mit denen seine Arbeit manchmal beschrieben wird, handelt es sich hier um eine Region, die bereits seit Langem unter Sicherheits- und politischen Krisen leidet.
Die Sahelzone ist seit Jahren mit Staatsstreichen, Aktivitäten bewaffneter Gruppen und Veränderungen in den Beziehungen zwischen internationalen Akteuren konfrontiert. Die Möglichkeit einer weiteren Verschlechterung der Lage erfordert daher keinerlei übernatürliche Erklärung. Aus diesem Grund wirkt Salomés Aussage eher wie eine Einordnung in einen bereits bekannten sicherheitspolitischen Rahmen als wie eine tatsächlich unerwartete Warnung. Seine Prognose bleibt zudem relativ weit gefasst, was eine Überprüfung ihrer tatsächlichen Genauigkeit zusätzlich erschwert.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch in seinen Äußerungen über Technologie. Salomé warnt vor Cyberangriffen, einer unkontrollierten Anwendung künstlicher Intelligenz und möglichen größeren Störungen der technologischen Infrastruktur. Er erwähnt außerdem Sonnenstürme, die Satelliten, Kommunikationssysteme oder Stromnetze beeinträchtigen könnten. In diesem Teil seiner Aussagen ist wichtig festzuhalten, dass die Themen selbst keineswegs erfunden sind: Cybersicherheit und Weltraumwetter sind tatsächlich Bereiche, die von Fachinstitutionen überwacht werden.
Ein wichtiger Punkt
Salomé räumte in neueren Auftritten ein, dass keine Vorhersagemethode unfehlbar sei und dass seine Prognosen Interpretationen und keine Gewissheiten darstellten. Dieses Detail verändert die Art und Weise, wie auch seine dramatischsten Aussagen betrachtet werden sollten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Formulierungen als Beweis dafür angesehen werden können, dass er genau weiß, wann ein bestimmtes Ereignis eintreten wird. Das Risiko von Sonnenstürmen oder des Missbrauchs künstlicher Intelligenz besteht unabhängig von seinen Auftritten. Eine seriöse Einschätzung solcher Gefahren basiert jedoch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Sicherheitsanalysen und der Arbeit entsprechender Institutionen – nicht auf prophetischen Interviews.
Genau hier verläuft die Grenze zwischen einer tatsächlichen Warnung und einer attraktiven Spekulation.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregen nach wie vor seine früheren angeblichen „Treffer“. Anhänger behaupten, er habe die COVID-19-Pandemie, den Tod von Königin Elizabeth II. und andere bedeutende Ereignisse im Voraus angekündigt. Das Problem entsteht jedoch in dem Moment, in dem man versucht, eine ursprüngliche, eindeutig datierte und ausreichend konkrete Aussage zu finden, die tatsächlich vor diesen Ereignissen veröffentlicht wurde.
In vielen Fällen liegen lediglich nachträgliche Interpretationen vor. Daher lässt sich nicht mit vollständiger Sicherheit bestätigen, dass etwas tatsächlich so vorhergesagt wurde, wie es heute dargestellt wird.
Salomés Popularität beruht deshalb auf einer besonderen Form des Medieneffekts: Er spricht über große und bereits bekannte globale Risiken, wodurch seine Worte leicht mit Ereignissen in Verbindung gebracht werden können, die später eintreten oder bereits begonnen haben. Das bedeutet nicht, dass seine Befürchtungen zwangsläufig bedeutungslos sind. Es bedeutet jedoch, dass sie als persönliche Einschätzungen und nicht als nachgewiesene Fähigkeit angesehen werden sollten, die Zukunft zu sehen.
Darin liegt auch der Grund dafür, warum seine neuen Aussagen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er spricht über Orte und Entwicklungen, die bereits an sich angespannt sind, räumt aber gleichzeitig ein, dass seine Prognosen keine Gewissheiten darstellen.
So bleibt seine Geschichte irgendwo zwischen Faszination und Skepsis, während die Welt weiterhin jene Krisenherde beobachtet, über die auch er spricht: den Iran, die Arktis, die Sahelzone, künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und all die Unsicherheiten, die damit verbunden sind.


















